WHO ruft zum Kampf gegen Antibiotikaresistenz auf [06.04.2011]
Die Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen wird zu einem immer
grösseren Problem für die menschliche Gesundheit. Anlässlich des
Weltgesundheitstages (7. April) schlägt die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) Alarm wegen des oft mangelhaften Einsatzes von Antibiotika.
"Die Welt ist daran, die Wirksamkeit ihrer Wundermedikamente zu
verlieren", erklärte WHO-Direktorin Margaret Chan in einem Communiqué.
Ohne wirksame Gegenmassnahmen werde die Welt künftig viele
Infektionskrankheiten nicht mehr mit wirksamen Therapien bekämpfen
können. Die Krankheiten würden deshalb wieder vermehrt tödlich enden.
Die WHO unterstreicht vor allem den mangelhaften Einsatz von
Antibiotika. Wenn nämlich die Dosis zu schwach oder die Behandlungsdauer
zu kurz ist, überleben die hartnäckigsten Keime und können sich wieder
vermehren. Durch diese Auslese können schliesslich Bakterienstämme
entstehen, denen manche Antibiotika gar nichts mehr anhaben können.
"Wir sind an einem kritischen Punkt angelegt, weil die Resistenz gegen
vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmasse erreicht hat und neue
Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können", sagte die
europäische WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab.
Fehlende Regulierung
In Europa sterben laut Schätzungen jedes Jahr etwa 25'000 Menschen an
resistenten Bakterien. Für die 53 Mitgliedsländer der WHO-Europaregion
gibt es keine gemeinsame Statistik über die Todesfälle durch
Antibiotikaresistenzen. Die Lage gilt aber in einigen osteuropäischen
Regionen als "noch schlimmer" als etwa im EU-Raum oder der Schweiz.
Als Negativbeispiel nennt die WHO, dass Antibiotika in 14 von 21
osteuropäischen Ländern ohne ärztliches Rezept frei verkäuflich sind.
Das würden unter anderem Landwirte nutzen, die ihren Tieren Antibiotika
vorbeugend verabreichen.
Die WHO empfiehlt generell eine Reduktion des Einsatzes in der Tiermast.
Rund die Hälfte aller weltweit produzierten antibiotischen Substanzen
würden in der Landwirtschaft oder in der Tierzucht eingesetzt. Dabei
könne die antimikrobielle Resistenz vom Tier auf den Menschen überspringen.
Tuberkulose und Malaria
Zu einem wachsenden Problem für das Gesundheitswesen in vielen Ländern
ist Resistenz der Tuberkuloseerreger. Im vergangenen Jahr wurden fast
eine halbe Million Fälle von multiresistenter Tuberkulose diagnostiziert.
Betroffen sind bereits 69 Länder, wo insgesamt 150'000 Menschen an den
Folgen dieser Form der Lungenkrankheit verstarben, wie Mario Raviglione,
Chef der WHO-Abteilung für Tuberkulose, erklärte.
Zu einer immer grösseren Bedrohung werden aber auch die Resistenzen
gegen die gängigen Anti-Malaria-Mittel. Nur noch sehr eingeschränkt
wirksam ist die Behandlung mit Chloroquin. Doch auch bei den
Medikamenten der Gruppe Sufadoxin-Pyrimethamin sind in vielen
Malaria-Gebieten kaum noch wirksam. Auch hier bahnt sich ein Wettlauf
an: Bereits nach kurzer Zeit zeigen sich auch bei den neusten Mitteln
Resistenzen.
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